Interchange Fee einfach erklärt
Interchange Fee erklärt: Wer bei jeder Kartenzahlung wieviel bekommt. EU-Cap 0,2 % Debit / 0,3 % Credit — und warum kostenlose Karten möglich sind.
Kartenzahlungen sind für den Kunden meist kostenlos — jedenfalls im europäischen Verbrauchergeschäft. Für den Händler nicht. Und für die Beteiligten im Hintergrund schon gar nicht. Bei jeder Zahlung fließt Geld zwischen mehreren Banken hin und her. Der wichtigste dieser Beträge heißt Interchange Fee — im deutschsprachigen Raum auch Interbankenentgelt, in Fachkreisen MIF (Multilateral Interchange Fee).
Wer sich fragt, warum Bezahlkarten für Endkunden gratis sein können, wer bei einer Kartenzahlung am Ende was verdient, und warum American Express in Deutschland spürbar weniger akzeptiert wird als Mastercard oder Visa — der findet die Antwort in der Interchange Fee.
Wer bezahlt an wen
Ein 4-Parteien-Kartensystem — wie Mastercard und Visa — kennt vier Beteiligte je Zahlung:
- Karteninhaber — Sie
- Issuer — die Bank, die Ihre Karte ausgegeben hat
- Merchant — der Händler
- Acquirer — die Bank/Institut, die die Zahlung für den Händler abwickelt
Dazu kommt das Kartennetzwerk (Mastercard, Visa) als Schienen-Betreiber.
Wenn Sie 100 Euro mit Karte zahlen, laufen zwei Geldströme:
- Die 100 Euro fließen (abzüglich Gebühren) über den Acquirer zum Händler.
- Der Acquirer führt einen bestimmten Prozentsatz an den Issuer ab — die Interchange Fee.
Bei einer 100-Euro-Zahlung mit einer Verbraucher-Kreditkarte in der EU sind das 0,30 Euro. Bei einer Debit-Karte 0,20 Euro. Diese Beträge landen direkt bei Ihrer Bank — dem Issuer.
Warum die EU 2015 eingegriffen hat
Vor 2015 war die Interchange in Europa nicht geregelt. Die Netzwerke haben sie zwischen den Banken „multilateral” festgelegt — daher der Name MIF. In manchen Ländern lagen die Sätze bei 1 bis 2 Prozent, was Karten für Händler teuer machte und dazu führte, dass viele nur ab bestimmten Beträgen Karten akzeptierten oder Aufschläge verlangten.
Die EU-Kommission sah das als wettbewerbsschädlich. Nach jahrelangem Streit mit den Netzwerken kam die Verordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge — kurz: die Interchange Fee Regulation (IFR). Sie ist im Dezember 2015 in Kraft getreten und deckelt Interchange europaweit:
| Kartenart | Interchange-Cap (EU) |
|---|---|
| Verbraucher-Debitkarte | 0,20 % des Transaktionsbetrags |
| Verbraucher-Kreditkarte | 0,30 % des Transaktionsbetrags |
| Firmen-/Business-Karten | nicht gedeckelt |
| Drei-Parteien-Systeme (Amex, Diners) | nicht gedeckelt, außer bei Lizenzierung |
Die Deckelung gilt für innereuropäische Zahlungen. Für Karten aus Drittländern (z. B. eine US-amerikanische Karte in einem deutschen Geschäft) gelten sie nicht — dort können deutlich höhere Sätze verlangt werden. Genau das ist einer der Gründe, warum manche Händler US-Kreditkarten weniger gerne sehen.
Was Interchange nicht ist
Ein häufiger Denkfehler: Was der Händler pro Kartenzahlung bezahlt, ist nicht die Interchange Fee. Es ist die Merchant-Discount-Rate (MDR) — also die Gesamtgebühr, die der Acquirer dem Händler in Rechnung stellt. Die setzt sich zusammen aus:
- Interchange — geht an den Issuer (bei EU-Verbraucherkarten gedeckelt)
- Scheme-Fee — geht an das Kartennetzwerk (Mastercard, Visa) für die Nutzung der Schienen
- Acquirer-Marge — geht an den Zahlungsabwickler für seine Leistung
- Zusatzgebühren — Terminal-Miete, Chargeback-Fees, PCI-Compliance-Fee
Die MDR liegt in Deutschland üblicherweise:
| Zahlungsart | Typische MDR |
|---|---|
| Girocard | 0,20 – 0,30 % |
| Debit Mastercard / Visa Debit | 0,50 – 1,20 % |
| Verbraucher-Kreditkarte | 1,20 – 2,00 % |
| Firmen-Kreditkarte | 1,80 – 2,80 % |
| American Express | 2,00 – 3,50 % |
Die Interchange macht also nur einen Teil der Gesamtkosten aus — beim kleinen Bäckerei-Betrieb mit hohem Ticket-Kleinbetrag oft nicht einmal die Hälfte.
Warum es kostenlose Karten überhaupt geben kann
Wenn Sie eine Verbraucher-Kreditkarte ohne Jahresgebühr nutzen, mit Cashback oder Bonusmeilen belohnt werden, und im Monat keinen einzigen Euro an Ihre Bank abführen — dann finanziert sich Ihre Karte fast vollständig aus Interchange. Die 0,30 Prozent, die Ihre Bank bei jeder Ihrer Zahlungen einnimmt, summieren sich bei einem aktiven Karteninhaber schnell zu mehreren hundert Euro im Jahr.
Genau deshalb macht die IFR-Deckelung das Kartenmarketing kalkulatorisch schwerer:
- Bei Kreditkarten mit Cashback muss der Cashback niedriger liegen als die 0,30 Prozent Interchange (sonst zahlt die Bank drauf).
- Prämien-Karten mit „2 Prozent auf alles” gibt es in der EU deshalb praktisch nicht — anders als in den USA, wo Interchange nicht gedeckelt ist und locker bei 1,5 bis 2 Prozent liegen kann.
Wenn Sie unterschiedliche Karten vergleichen, hilft Ihnen der Ratgeber Kreditkarten vergleichen: worauf es wirklich ankommt.
Der Amex-Sonderfall
American Express — und historisch auch Diners Club — ist ein Drei-Parteien-System. Amex ist Issuer und Acquirer in einem: Die Karte kommt von Amex, und die Zahlung wird über Amex abgewickelt. Es gibt keine externe Bank zwischen Ihnen und dem Händler.
Weil damit gar keine Interchange im klassischen Sinne fließt (der Betrag würde von Amex an sich selbst gehen), fällt Amex nicht unter die EU- Deckelung. Die Netzgebühr, die Amex vom Händler verlangt, liegt deutlich über den 0,3 Prozent für Mastercard/Visa — je nach Branche zwischen 2 und 3,5 Prozent.
Das erklärt die geringere Akzeptanz von Amex in Deutschland: Für viele Händler lohnt sich die Amex-Akzeptanz nur, wenn sie das Kundensegment (Geschäftskunden, ausländische Reisende) gezielt bedienen wollen. Details zu den Netzwerk-Unterschieden im Ratgeber Zahlungsnetzwerke: Mastercard, Visa und American Express im Vergleich.
Wenn Amex Karten über Lizenznehmer ausgibt (also faktisch als Vier-Parteien-Konstellation funktioniert), gilt die IFR-Deckelung — das war einer der Gründe, warum Amex sein Lizenzgeschäft in Europa zurückgefahren hat.
Für Verbraucher: was Sie davon haben
Als Karteninhaber merken Sie von der Interchange direkt: nichts. Sie sehen weder auf der Abrechnung noch im Preisschild einen Hinweis. Indirekt profitieren Sie aber gleich mehrfach:
- Kostenlose oder günstige Karten, weil Ihre Bank pro Zahlung ohnehin Interchange kassiert.
- Kartenakzeptanz gestiegen, weil Händler wegen der EU-Deckelung nicht mehr abschrecken. Ende der 2010er waren Kartenzahlungen unter 10 Euro noch Ausnahmefälle — heute funktioniert das flächendeckend.
- Kein Aufschlag mehr bei Kartenzahlungen mit Verbraucherkarten aus dem EU-Raum — verboten durch § 270a BGB, in Umsetzung von PSD2.
Für Händler: die reale Kostenrechnung
Wenn Sie als Selbstständige oder als Kleinunternehmer Karten akzeptieren wollen, sind die relevanten Größen:
- MDR verhandeln, nicht Interchange verstehen. Die Interchange ist gesetzlich gedeckelt und beeinflussbar durch niemanden. Was Sie steuern, ist die Acquirer-Marge.
- Blended vs. IC++. Manche Acquirer nennen einen pauschalen Prozentsatz („Blended Rate”, z. B. 1,29 % auf alles). Andere zeigen Interchange und Scheme-Fee einzeln aus und legen ihre Marge (++) separat drauf. Für Vielzahler mit hohem Kartenumsatz ist IC++ meist günstiger, weil man die tatsächlich niedrigen Interchange-Sätze bei EU-Debit direkt weitergereicht bekommt.
- Fremde Karten separat rechnen. Karten aus Drittländern (USA, Asien, Firmenkarten aus dem Nicht-EWR) sind nicht gedeckelt — bei einem Hotel oder Restaurant mit viel Auslandsklientel ein deutlicher Kostenblock.
Wer als Selbstständiger noch weitere Aspekte prüfen möchte, findet Zusammenhänge im Ratgeber Kreditkarte für Selbstständige und Freiberufler: was wirklich passt.
Rechenbeispiel: 100-Euro-Zahlung im Detail
Damit die Größenordnungen greifbar werden, hier eine typische Aufschlüsselung einer 100-Euro-Zahlung mit einer deutschen Verbraucher-Kreditkarte im stationären Handel:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Zahlung des Kunden | 100,00 € |
| Interchange (Issuer erhält) | 0,30 € |
| Scheme-Fee (Mastercard/Visa erhält) | 0,05 – 0,15 € |
| Acquirer-Marge und Verarbeitung | 0,50 – 1,20 € |
| Merchant Discount Rate (MDR gesamt) | 0,85 – 1,65 € |
| Auszahlung an Händler | 98,35 – 99,15 € |
Bei einer Debitkarte fällt der Interchange-Anteil auf 0,20 Euro, die Gesamt-MDR liegt eher bei 0,50 bis 1,00 Euro pro 100 Euro Umsatz. Bei American Express verschiebt sich die MDR nach oben — 2,50 bis 3,50 Euro pro 100 Euro Umsatz sind eine übliche Range.
Für einen Bäcker mit durchschnittlichem Bon bei 6 Euro sind das absolut kleine Beträge — prozentual aber spürbar, wenn die Fixkosten pro Transaktion (etwa Netzwerk-Grundgebühr) darüber liegen. Für ein Hotel mit 500-Euro-Buchungen relativieren sich die Prozentsätze wieder, weil die absoluten Beträge größer sind.
Wie sich Interchange in den nächsten Jahren entwickeln könnte
Die EU-Kommission überprüft die IFR regelmäßig. Bislang sind die Deckelungen seit 2015 stabil. Zwei Themen stehen in der Debatte:
- Kommerzielle Karten — Firmenkarten sind heute nicht gedeckelt und häufig teuer für Händler. Der EU-Rechnungshof hat 2022 empfohlen, hier eine Deckelung einzuführen.
- Digitaler Euro — ein potenzieller staatlich betriebener Zahlungsweg, der die Interchange als Bank-Ertragsmodell insgesamt in Frage stellen würde. Die politische Debatte dazu ist offen; eine baldige Konkurrenz zu Mastercard und Visa im Alltag ist nicht in Sicht.
FAQ
Zahle ich als Karteninhaber die Interchange Fee?
Nein, nicht direkt. Interchange wird zwischen den Banken abgerechnet und ist Teil der Merchant-Discount-Rate, die der Händler zahlt. Indirekt fließt sie in Endpreise ein, aber es gibt in der EU keinen Aufschlag speziell für Kartenzahlung mit Verbraucherkarten.Warum bekomme ich in der EU keine Karte mit 2 Prozent Cashback?
Weil die Interchange bei Verbraucherkreditkarten auf 0,3 Prozent gedeckelt ist. Höhere Cashbacks wären ohne Zusatz-Ertrag für die Bank nicht finanzierbar. In den USA gibt es die höheren Cashbacks, weil dort keine Deckelung gilt.Warum akzeptieren manche Händler Amex nicht?
Weil American Express als Drei-Parteien-System nicht der IFR-Deckelung unterliegt und deutlich höhere Merchant-Gebühren verlangt — je nach Branche 2 bis 3,5 Prozent statt der 1 bis 1,5 Prozent bei Mastercard/Visa Verbraucherkredit.Wie hoch ist die Interchange bei einer Girocard-Zahlung?
Die klassische Girocard läuft nicht über Mastercard oder Visa und ist formal nicht Teil derselben Regulierung. Faktisch werden Girocard-Zahlungen mit deutlich niedrigeren Sätzen abgerechnet — meist 0,15 bis 0,25 Prozent — und liegen damit im Bereich der Debit-Deckelung.Ist Interchange dasselbe wie die Merchant-Discount-Rate?
Nein. Interchange ist nur ein Baustein. Die Merchant-Discount-Rate (MDR) umfasst zusätzlich die Scheme-Fee des Netzwerks und die Marge des Acquirers. Die MDR liegt daher immer über der reinen Interchange.Die Mancus Mastercard® wird von der Multitude Bank p.l.c. ausgegeben. Mehr über die Karte erfahren.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzberatung. Verbindliche Konditionen entnehmen Sie dem Preis- und Leistungsverzeichnis der Multitude Bank p.l.c.