Effektiver Jahreszins erklärt — was der eine Wert wirklich aussagt
Sollzinssatz vs. effektiver Jahreszins: Warum die zweite Zahl entscheidend ist und welche Kosten dort eingerechnet sind. Mit Beispielrechnung.
Wer ein Kreditangebot vergleicht, sieht in der Regel zwei Prozentzahlen: Sollzinssatz und effektiver Jahreszins. Beide klingen ähnlich, beschreiben aber völlig unterschiedliche Dinge. Wer sie verwechselt, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Sollzinssatz — die reine Verzinsung
Der Sollzinssatz (manchmal auch Nominalzins) gibt an, mit welchem Prozentsatz pro Jahr der genutzte Kreditbetrag verzinst wird. Wenn Sie 1.000 € nutzen und der Sollzinssatz 22 % p. a. beträgt, fallen über ein Jahr — bei konstantem Saldo — rechnerisch 220 € Zinsen an.
Das ist die nackte Verzinsung. Sie sagt nichts darüber aus, was die Karte sonst noch kostet.
Effektiver Jahreszins — die tatsächlichen Gesamtkosten
Der effektive Jahreszins (gesetzlich vorgeschrieben nach § 6a PAngV) bildet die Gesamtbelastung in einem einzigen Vergleichswert ab. Eingerechnet sind:
- der Sollzinssatz
- die Zinsstruktur und Tilgungsrhythmus (monatlich, quartalsweise, …)
- vorgeschriebene Bearbeitungs- und Kontoführungsgebühren
- ggf. Pflichtversicherungen
- die Auszahlungstiming (wann genau Sie das Geld bekommen)
Nicht eingerechnet — und damit on-top — sind zum Beispiel:
- Bargeldabhebungsentgelte
- Fremdwährungsgebühren
- freiwillige Zusatzleistungen
- Mahn- und Verzugsgebühren bei Zahlungsverzug
Wenn die Bank also einen Sollzinssatz von 22 % nennt, der effektive Jahreszins aber bei 24,36 % liegt, sind in den 2,36 Prozentpunkten Differenz die übrigen Pflichtkosten enthalten — genauso wie der Effekt, dass Zinsen unterjährig (monatlich) berechnet werden.
Warum die Differenz oft klein, aber manchmal groß ist
Bei einer transparenten Kreditkarte ohne Jahresgebühr und ohne Bearbeitungsentgelt liegen Sollzinssatz und effektiver Jahreszins meist nur ein bis drei Prozentpunkte auseinander. Die Differenz kommt fast vollständig aus dem unterjährigen Zinseszinseffekt.
Bei Angeboten mit Bearbeitungsgebühren, Kontoführungsentgelten oder Pflichtversicherungen kann die Lücke aber deutlich größer werden — fünf, zehn oder mehr Prozentpunkte. Genau deshalb existiert die Pflicht zur Angabe: damit Sie auf einen Blick erkennen, wie teuer ein Angebot tatsächlich ist.
Beispielrechnung
| Posten | Wert |
|---|---|
| Kreditbetrag | 1.500,00 € |
| Sollzinssatz p. a. | 22,00 % |
| Laufzeit | 12 Monate |
| Tilgung | monatlich gleichbleibend |
| Bearbeitungsgebühr | 0 € |
| Effektiver Jahreszins | 24,36 % |
| Zinsen gesamt | 184,70 € |
| Gesamtrückzahlung | 1.684,70 € |
Die 24,36 % entstehen hier ausschließlich aus der monatlichen Zinsberechnung — keine versteckten Gebühren. Bei einem Angebot mit Bearbeitungsentgelt würden die effektiven Zinsen je nach Aufschlag deutlich steigen.
So nutzen Sie den Wert beim Vergleich
- Vergleichen Sie effektive Jahreszinsen, nicht Sollzinssätze. Nur der effektive Wert enthält die kompletten Pflichtkosten.
- Achten Sie auf “ab”-Angaben. Häufig steht “ab 5,99 %”. Das ist der Best-Case für Top-Bonitäten. Ihr individueller Zinssatz kann höher liegen.
- Lesen Sie das PAngV-Beispiel. Banken müssen ein repräsentatives Rechenbeispiel angeben, das den effektiven Jahreszins bei einem typischen Kunden zeigt.
- Berücksichtigen Sie nicht-PAngV-relevante Kosten. Wenn Sie viel im Ausland zahlen oder Bargeld abheben, können diese Zusatzkosten den Vergleich verändern.
Häufige Fragen
Warum ist der effektive Jahreszins immer höher als der Sollzinssatz?
Weil er zusätzliche Kosten enthält — mindestens den Effekt aus monatlicher Zinsberechnung (Zinseszins innerhalb des Jahres), häufig auch Bearbeitungs- oder Kontoführungsgebühren.Sind beide Werte gesetzlich vorgeschrieben?
In Deutschland muss bei jedem Kreditangebot der **effektive Jahreszins** angegeben werden. Der Sollzinssatz darf zusätzlich genannt werden, ist aber nicht zwingend.Wird der effektive Jahreszins auch bei Kreditkarten mit Revolving Credit angewendet?
Ja. Wenn Sie eine Kreditkarte nutzen, bei der Sie nicht den vollen Saldo zum Stichtag zurückzahlen, wird auf den verbleibenden Saldo Zins angewendet. Das PAngV-Beispiel der Bank zeigt den effektiven Jahreszins für eine typische Nutzung.Lohnt es sich, einen Anbieter mit niedrigerem Sollzins, aber höherem Effektivzins zu wählen?
Nein. Vertrauen Sie dem effektiven Wert — er bildet die echten Kosten ab. Ein niedriger Sollzins mit hohen Zusatzgebühren ist in der Realität teurer als ein moderater Sollzins ohne Extras.Welche Kosten sind im effektiven Jahreszins NICHT enthalten?
Nutzungsabhängige Gebühren wie Bargeldabhebung, Fremdwährungsentgelte oder freiwillige Versicherungen. Auch Mahnkosten bei Zahlungsverzug sind separat.Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzberatung. Verbindliche Konditionen entnehmen Sie dem Preis- und Leistungsverzeichnis der Multitude Bank p.l.c.